Bernadette Gächter

Zwangssterilisiert

Die 1954 geborene Bernadette Gächter kam als Kleinkind zu einer streng katholischen Pflegefamilie nach St. Margrethen. Mit sieben Jahren zweifelten ihre Pflegeeltern an ihrem Charakter und liessen sie von einem Psychiater untersuchen. Dieser attestierte dem Mädchen ein «infantiles hirnorganisches Psychosyndrom» (heute als Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom ADS bekannt). Mit 18 Jahren wurde Bernadette Gächter schwanger, was einen Skandal in der Pflegefamilie auslöste. In der Folge reagierten Vormund, Pfarrer und Hausarzt. Letzterer kam in einem Gutachten zuhanden der Psychiatrischen Klinik Wil zum Schluss, dass Bernadette Gächter «mit ihrer abnormen Veranlagung» nicht in der Lage sei, ein Kind grosszuziehen und empfahl neben einer Abtreibung die Sterilisation der jungen Frau. Pflegeeltern, Hausarzt und der Klinikdirektor setzten sie so stark unter Druck, dass Bernadette Gächter schliesslich in den Eingriff einwilligte. Später versuchte sie mit zwei Operationen erfolglos, die Sterilisation wieder rückgängig zu machen. Bernadette Gächter blieb zeitlebens kinderlos.

Rohner, Markus (2006): Im Namen des Anstands sterilisiert (NZZ vom 1. Oktober 2006).